Kadertrip Island: Teil 3 – Tradspezialisten

Offizielles Felskletter Team des Deutschen Alpenvereins (DAV)

Kadertrip Island: Teil 3 – Tradspezialisten

 

 

8.7.16 PADDYS PILLAR:
Schon öfters haben wir den markanten Basalt Monolithen über der Küste thronen sehen. Direkt hinter der Eislagune, wo der große Inlandsgletscher ins Meer fließt. Heute bringt Paddy die Motivation auf und zieht Tom und Ole endlich mal mit. „Los, jetzt tackeln wir das Ding!“ Zwar haben wir null Erfahrung mit Trad-Mehrseillängentouren aber das wird schon 🙂 Wir sortieren all unser Tradgear, immerhin stolze 25 Cams und tingeln den steilen Hang zum Einstieg hoch. Der Monolith ist ca. 80m hoch und besteht aus perfekten sechseckigen Basaltpfeiler in bester Gesteinsqualität. Dass manche dieser Pfeiler aber auch ab und zu runter kommen sieht man klar und deutlich am Boden und manche stehen bis zu 15m frei und sind nur unten mit dem Fels verbunden. Da kann man quasi durchschauen. Oooouh, sowas, zwar die leichteste Linie aber dann doch bisschen zu scary, lassen wir lieber und wollen in eine einfach aussehende Verschneidung rein. Das ist schon irgendwie cool wenn man an eine Wand kommt und sich einfach seine Linie aussuchen kann und die Placements dann so bombastisch sind, dass man sich keine Gedanken über Absicherung und Standplätze machen muss. Wir schnick-schnack-schnucken – eben wie echt Männer – aus, wer die erste Seillänge führen darf, Paddy gewinnt. Diese stellt sich als erstaunlich tricky heraus. Paddy klettern die beim Bouldern etablierte Kühlschrank-Compression Technik und kämpft sich hoch. Der perfekt parallelen Riss in der Verschneidung hat immer die gleiche Größe und Paddy klettert die mega Runouts zum Ende der ersten Säule. Nach 12m hat er all sein Gear verballert und baut einen Stand. Tom klemmt wie ein Weltmeister im Rissklettern mit Händen und Füßen und schrabbelt sich dadurch – modisch top vorbereitet im Tanktop – Schultern, Hüfte und Ellenbogen auf. Naja, aber dafür schaut es top aus! Ole piazt den Riss, mit dem Rücken an der einen Säule, den Füßen schmierend an der anderen. Das geht anscheinend auch, allerdings muss dabei der gute Kaderpulli dran glauben. Wir Spezialisten haben natürlich kein Tape für Risshandschuhe dabei und so wird vor allem die zweite Seillänge ein wenig unangenehm (außer für Paddy, der benutzt den Riss einfach nicht). Tom steigt diese, wunderschöne Seillänge vor. 20 Meter perfekte Hand-, Faust- und Bizepsklemmer (heißt: wenn der Riss so tief ist und der Bizeps so groß, dass man ihn nur anspannen braucht um festzustecken). Er baut den Standplatz direkt neben einer Möwenfamilie an einem kleinen, waagrechten Risssystem. Das Möwenbaby faucht ihn wütend an und er bekommt es mit der Angst zu tun, dass dieses ihm sein gutes Tanktop zerfetzt. Mittlerweile hängen wir in den paar Cams am ziemlich ungemütlichen, hängenden Stand mit bombastischer Aussicht über die Küste Islands. Die dritte, letzte, längste Seillänge führt Ole. Es fängt ganz gut an mit toller Risskletterei, dann kommt eine schottrige Verschneidung wo ausnahmslos jeder Tritt und Griff locker ist. Legen kann man da auch nicht wirklich was und so muss Ole doch einige Runouts klettern, woraufhin Tom ab und zu doch mal besorgt fragt, ob er denn nicht mal wieder was legen will. Wollen schon, können nein. Zum Glück ist es recht leicht und so toppt er auf das Plateau aus, baut Stand an zwei mittel-vertrauenserweckenden Blöcken und sichert die anderen beiden nach. Nun stehen wir oben auf dem Monolithen, im Inland der Gletscher, vor uns das Meer, um uns herum sausende Möwen. Insgesamt eine traumhafte Tradtour. Wir wissen nicht genau, ob wir die ersten waren, die hier hochgeiert sind, wenn dies jedoch so wäre, würden wir die Tour gerne „Paddys Pillar“ nennen. Schwer ist sie nicht, wohl so im siebten Grad, was uns aber auch unsere extrem ausgefeilte Rissklettertechnik natürlich eher wie 5 vorkam. Nicht… 😀
Ein wunderbaren Tag endet wieder am Wandfuß bei Sonnenuntergang hinter dem Berg, Käsebrot und zufriedenem Blödsinnsgelaber.

 

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