Norwegen 2014-Das war‘s!

Offizielles Felskletter Team des Deutschen Alpenvereins (DAV)

Norwegen 2014-Das war‘s!

Text: Tom Thudium

So das war nun unser 3. Trip nach Flatanger. Warum immer wieder hierhin? Wird das nicht langweilig? Klare Antwort: NEIN.

Warum?

1. Weil Flatanger einfach ziemlich geil ist.
2. Weil es immer noch sehr viel Potential für Neues gibt.
3. Weil es ein extrem abwechslungsreiches Gebiet ist und man von Bouldern bis Tradklettern alles machen kann.
4. Weil die Landschaft genial ist, man direkt am Camp fischen kann (und auch was fängt), es einen coolen Campingplatz gibt……

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Joey bohrt in der Hanshallernhöhle

 

Bei dem diesjährigen Trip war vor allem die Abwechslung ein sehr wichtiger Faktor und jedes Teammitglied konnte seine Fähigkeiten und Vorlieben in allen Bereichen des Klettersports perfekt ausleben. So wurden Touren und Boulder zwischen 2 und 70 Meter geklettert, welche zwischen 6b und 8c variierten und sowohl sportklettertechnisch, bouldertechnisch als auch im Tradbereich angesiedelt waren. Natürlich lag unser Fokus wieder auf Erstbegehungen und so entstanden neue Touren an 5 verschiedenen Sektoren/Felsen und Boulder in 3 Gebieten.

Bouldern: An dem von uns erschlossenen Sektor Glasoyfjellet war Max unser ambitioniertester Crashpadwarrior. Er hatte hier ein wirklich gutes Auge und konnte Boulder wie „little girl stop crying“ Fb7c erstbegehen. Das Highlight von Max war auf jeden Fall „More than I had” Fb 8a. Trotz härtesten Bedingungen, wie der um 11 Uhr eintreffenden Sonne (für mich keine Chance) in Kombination mit messerscharfen Leisten, gab Max nie auf, ließ seine Cuts wieder verheilen und konnte diesem Boulder schließlich eine Begehung abringen http://vimeo.com/105686467. Weitere neue Boulder waren „Sendtrain“ Fb 7c von Johannes „old Ott’s crowbar“Fb 8a/+ von Alex und „Mushroomparty“Fb 8a von Jens.

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Max in „little girl don’t cry“ Fb 7c                                Jens in „Mushroomparty“ Fb 8a

 

Am Camp lernten wir noch Elliot, einen aus Amerika stammenden Profiurlauber kennen, der seit Jahren einen großen Teil des Sommers in seinem Lieblingsgebiet Flatanger verbringt. Genau wie wir, war auch er immer auf der Suche nach neuem Felspotential und empfahl uns eine Ansammlung von Blöcken, welche wir mit ihm auscheckten. Neben super mittelschweren Bouldern von Elliot, Cameron „Bearcam“ Mair und Milena konnte Alex mit dem „Pinch Problem“ Fb 8a und „Big Fish“ Fb 8a http://vimeo.com/108008029#at=0 2 wirklich coole Testpieces hinstellen. Neben einer guten Portion an Power sollte man vor allem bei „Big Fish“ im 7m Topout nicht unbedingt der ganz ängstliche Typ sein. Auf jeden Fall eine 5 Sterne Linie mit Prädikat wertvoll. Doch auch Max stellte sich nicht schlecht an und konnte den Boulder „Rampensau“ Fb 7c+ niederknüppeln http://vimeo.com/106523537 (sorry fürs lachen, aber die Mantletechnik Walross war echt perfektioniert).

Generell war das Wetter aus touristischer Sicht in Norwegen sehr sehr geil und vor allem am Anfang waren bei mir zwei Badesessions pro Tag obligatorisch. (Aber Achtung man kann sich auch beim Kopfsprung aus 3 m ins Meer eine leichte Schulterverletzung zuziehen). Zum Klettern war es am Anfang so natürlich etwas zu warm, doch fielen die Temperaturen letztendlich auf ca. 20 Grad, was zum klettern eigentlich optimal ist, zumindest im Schatten. Da die meisten Felsen jedoch Richtung Meer ausgerichtet sind, also westseitig, kam der Glasoyfjellet ca. um 12 und die Hanshallerencave zwischen 2 und 4 in die Sonne und machte für mich klettern wegen Schnappatmung und akuten Schweißausbrüchen unmöglich. So hieß es meistens früh aufstehen und der Lebensleistungsrhythmus musste eben angepasst werden.
Natürlich brachte dieser Rhythmus auch einige Vorteile mit sich und man konnte die 2. Hälfte des Tages für andere Tätigkeiten nutzen. Neben wandern und dem Suchen von Felsen war besonders Angeln hoch im Kurs. Vor allem mit dem Schweizer Mathias König versuchte ich dies intensiv zu betreiben und meine Fähigkeiten auszubauen. Eigentlich ist der Fischfang bei den norwegischen Preisen natürlich eine günstige Alternative für die benötigte Proteinzufuhr. Leider versenkten wir am Anfang doch noch einiges an Ködern, so dass der finanzielle Nutzen relativ gering war. Doch mit steigender Erfahrung gingen die Verluste zurück und es konnte der ein oder andere big fish gefangen werden (leider keiner der blond war). Vor allem mit der Entdeckung eines kleinen Ruderbootes konnten wir die Makrelenschwärme perfekt ausfindig machen und unser Rekord lag bei 25 Makrelen in einer halben Stunde (sorry an unsere Vegetarierin im Boot für das ganze blutige Gemetzel). Bei diesen Fangerfolgen wurden natürlich auch unsere Zubereitungsmethoden verfeinert und wir lernten das filetieren und so gab es Fisch im Ofen, gegrillt, überbacken oder paniert.

 

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Badezeit                                                                                                                   Der große Fang (25 Makrelen in 30 min)

 

Die meisten Besucher Flatangers kommen natürlich wegen der Hanshalleren Cave, welche unter anderem mit den Begehungen bis 9b+ von Adam Ondra Weltberühmtheit erlangte. Insgesamt waren zwar einige Kletterer in der Cave, doch war es noch nicht unübersichtlich und man lernte viele Leute kennen. Unter anderem waren einige Schweizer am Start, dann noch Joey Kinder mit Kameramann Cameron „Bearcam“ Mair und Elliot. Insbesondere freute es mich aber auch mal wieder Stefan Brugger zu treffen, mit dem ich 2009 ein halbes Jahr auf Weltreise war und der mit Mathias König da war, den ich auch schon ewig nicht mehr gesehen hatte. Mit dieser coolen Crew konnte es auch eigentlich nur coole Sessions in der cave geben.
Vor allem Milena, Alex und ich wollten in dieser Cave mal auschecken was richtiges pumpen im Granit bedeutet. Die Routen sind teils jedoch auch sehr technisch und man muss sich sehr an das Gestein gewöhnen. So wurde Milena von „Flaggermusmannen“ 8a länger geärgert und irgendwie wollte ihr Hook nie halten, doch mit neuer Variante wurde auch diese Tour einfach weggebasht. Mein Endgegner war „Waliserne komme og komme“ eine 35m 8b, bei der ich leider immer beim gleichen Zug fiel, da ich einen Schlitz nicht perfekt traf. Für die Psyche ist dies natürlich mega ätzend. Nach ca. 4 Wochen traf ich den Slot letztendlich doch und konnte mich mit inzwischen angestiegener Ausdauer trotz Nervosität locker rauspumpen und gleichzeitig mit Joey in Odins Eye den Umlenker klippen.
Das Hauptziel von Alex und mir war jedoch auch den steilsten Teil der Cave einmal auszuchecken und so versuchten wir uns an „Nordic Flower“, einem Ausdauerdach von Jorg Verhoeven. Mir genügte die erste Seillänge, die mit 97 Zügen auf 45 Metern und 35 Meter Überhang auch schon einiges an Pumppotential bietet und mit 8b+ bewertet ist. Die Route besitzt zwar eigentlich sehr gute Rests in Knieklemmern, doch wird man irgendwann einfach nicht mehr fitter und fühlt sich in etwa als wäre man kilometerweit gerudert. Besonders nachdem ich mit Betonarmen völlig gepumpt 3 Züge vor Ende geflogen bin, war ich echt froh, dass ich mich letztendlich zum ersten Umlenker fighten konnte. Für unseren Musterathleten Alex war das natürlich nicht genug und er wollte die kompletten 70m klettern, welche ehemals mit 9a bewertet waren und dank neu gefundener Rests und Beta mittlerweile bei ca. 8c/+ eincheckt. Nicht nur klettertechnisch sondern auch mental und taktisch ist so eine Tour etwas Besonderes. So kann schon das Ausbouldern mehrere Tage in Anspruch nehmen, da es nicht gerade einfach ist sich 200 Züge halbwegs zu merken und man auch mit Hängern schon ordentlich fertig ist. Nach einigen Tagen Ausbouldern und Zusammenhängen von Passagen konnte Alex das Monsterding bezwingen und belohnte sich mit 40 min flowiger Kletterei und dem Klipp des Umlenkers. Achja die 20m Verlängerung ist übrigens noch Projekt.

Tom in waliserne kommet og kommet 8b Flatanger Foto Mathias Königalex nordic

Tom in Waliserne kommet og kommet 8b               Alex in Nordic Flower 8c/+

 

Neben der Cave ist der Glasoyfjellet das zweitgrößte Massiv und wurde bisher komplett von unserem Team erschlossen. Neben den Begehungen von Miri und Jochen hatte sich auch Jens ein Projekt im Sektor Aurora Borealis eingebohrt. Dieses Testpiece startet mit einem brutalen Boulder an einem Zweifingersteller und pumpt dann einen Bug hinaus. Nach einigen Versuchen konnte auch hier Jens das Battle gewinnen und die Tour hört auf den Namen „Tree Masacre“ 8b. Weiter konnte Alex im Sektor Goldene Wand mit „Rouvens Runout“ auch eine 8b erstbegehen.
Der Sektor Goldene Wand ist wahrscheinlich der spektakulärste am Glasoyfjellet. Problem ist nur: bisher sind wir hier noch nichts hochgekommen. Zu schwach, zu schwer, zu klein oder ähnliches waren die Ausreden. Im rechten Teil des Massivs gab es jedoch noch Potential für Routen die machbar erschienen und so konnte Vera einen gelb schwarz gemusterten Streifen einbohren und mit der Route „No Barbies for Christmas“ (6c+) die erste Tour im Sektor Goldene Wand erstbegehen. Der Bann war gebrochen. Nun war auch Milena wieder motiviert und versuchte ihr 2012 eingebohrtes Projekt erstzubegehen. Nach anfänglichen Rückschlägen konnte sie die Einzelzüge schließlich entschlüsseln und der „Motivation recharger“ 8a hatte auch bei schlechten Bedingungen keine Chance.

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Milena beim FA von Motivation recharger 8a             Jens beim FA von tree masacre 8b

 

Da es mit den Projekten ja doch manchmal länger dauert und bei so vielen Leuten wie uns ja immer jemand ein Projekt hat, wurde der Trip dann mehrmals verlängert, bis wir nach 7 Wochen doch mal wieder einen Tapetenwechsel brauchten. So ging es mit neuer Motivation noch kurz nach Vingsand, wo vor allem Max noch mal richtig Gas beim Bouldern geben wollte. Gesagt, getan. Relativ schnell folgte eine Begehung von „Lynx“ 8a. Insgesamt konnten wir noch einige Boulder bis 7c+ recht schnell abknipsen und so völlig zufrieden zurück nach Deutschland fahren. Sind ja nur ca. 50 Stunden.
Bis auf kleinere Überraschungen war die Rückfahrt ganz ok. So legten wir uns z.B. schön auf einen Parkplatz, der durch einen fetten Lkw Anhänger halbwegs geschützt war. Leider wurde der Hänger 10 Minuten später von einem Truck abgeholt. Aufgewacht sind wir dann durch Hupen und Buslärm und Kindergeschrei, unser Pennplatz war leider die Buswendeplatte der lokalen Schule. Vor allem das Geschrei der Kinder ging mir am frühen Morgen natürlich mächtig auf die Nerven. Aber egal wir mussten ja sowieso weiter und es war schon knapp genug die Fähre nicht zu verpassen. Der Seegang war dann auch relativ stark und so musste sich eventuell noch das ein oder andere Teammitglied etwas auf dem Klo erleichtern.

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Bissl mehr Wind und man hätte abheben können

 

Insgesamt sind wir super zufrieden mit diesem Trip und jedes Teammitglied konnte Erfolge verbuchen. Vor allem in Flatanger konnten wir wieder super Routen und Boulder erstbegehen und das Gebiet so weiter bereichern. Und so ist nur zu sagen: in dieses Gebiet kann man auch ein 4. Mal wiederkommen.
Ich denke, dass in nächster Zeit auch noch das ein oder andere Topo auf dieser Seite erscheinen wird.

 

 

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