Kadertrip Island: Teil 2 – Abenteuerbouldern

Mh…Leider kann Google Maps keine Route nach Askja finden :O

13.07.16 SIGHTSEEING:

Sich Sehenswürdigkeiten auf Island anzuschauen ist schon tough. Wir wachen auf und uns erwartet der bereits versprochene Killerwind, dazu Regen und Wolkenschwaden resultiert in waagrechter Sprühdusche, die einen sofort durchnässt sobald man einen Schritt nach draußen geht. Aaah, da machen wir doch lieber einen Ruhetag. Nach morgendlichen Entspannen im Campingplatz-Café geht es zu den Hot Tubs, wo wir uns ordentlich durchgaren. Später brettert Tom, der alte Rallyefahrer, eine der nur mit Allrad befahrbaren (und erlaubten) F-Roads hoch zum Eispanzer Vatnajökull. Der kann schon was der Allrad! Nun erstreckt sich das riesige Eisschild vor uns. Wahnsinn! Man kann sich gar nicht vorstellen wie viel Eis jetzt vor, neben und unter uns ist. Wir laufen über ein abschüssiges Schneefeld bis zum Gletschereis und machen tolle Bilder von Spalten, dem Gletscher und dem Meer. Völlig erschöpft von diesem anstrengenden und fordernden Tag kochen wir abends Reis mit Scheiß und fallen dann ins Bett.

3.7.16 STRAIGHT TO HELL:

Früh morgens stehen wir auf. Viel zu früh (8 Uhr) für manche uns. Ich will keine Namen nennen, aber der eine reimt sich auf „Dachs“ und der andere auf „schwomm“. Wir wollen unseren Ruhetag nutzen um uns den Norden Islands anzuschauen. Dort soll es auch ein unerschlossenes Blockfeld bei Krepputunga in Richtung Askja geben, was wir uns anschauen wollen. So richtig vorbereitet ist allerdings niemand. Wir wissen mal wieder nur: Ringstraße nach Osten. Und so tuckern wir mit den erlaubten 90km/h mit unserem spritfressenden Amischlitten los durch den Tunnel des Vestrahorns – einem der 14 Tunnel Islands. Nach ca. 2 Stunden Fahrt geht es einen kleinen Hügel hoch. Immer schön geradeaus schauend bemerkt Alex nicht, dass der Zeiger der Temperaturanzeige immer weiter in den roten Bereich vordringt bis irgendwann Kühlwasser aus dem Motor spritzt. Na super, und mit der Schrottkarre wollen wir durch Bäche, Schotterstraßen usw. ins Hochland fahren. Das kann ja heiter werden. Als Lösung fällt uns jedenfalls ein: Fenster auf, Heizung voll an, dann kühlt der Motor wieder runter. Nach gefühlter tagelanger Reise schauen wir uns Europas größten Wasserfall Dettifoss an. Auf 100m Länge stürzen 400m³ Wasser pro Sekunde 45m in die Tiefe. WUMM! Wir sind alle gebührend begeistert und Tom lässt die Kamera heiß laufen. Weiter geht´s, ja, wir gönnen uns heute einen richtig harten Touritag, zu den heißen Quellen. Genau hier verläuft der Mittelatlantische Rücken und die Eurasische und Nordamerikanische Platten driften mit 2cm pro Jahr auseinander. Das Magma kann bis dicht unter der Erdoberfläche ansteigen, was in einer unwirklichen Welt voller Vulkankrater, rauchenden und Raketenantriebsgeräusch verursachenden Wasserdampfschloten, kochenden Matschtümpeln und Seen und beißendem Schwefelgeruch resultiert. Wahnsinn. Ziemlich so schaut´s bestimmt in Mordor aus 😀. Als ob Island dieses Höllenszenario mit Schwefelgestank wieder gut machen will, leuchtet am Horizont ein prächtiger Regenbogen auf. Nach ein bisschen herumfahren durch diese Lava-Welt finden wir noch eine einsam in der Landschaft dastehende Dusche, die von den heißen Quellen gespeist wird. Tom und Ole nehmen daraufhin spontan bei 7°C Außentemperatur (hab ich schon erwähnt, dass es Sommer ist?) eine heiße Dusche. Wunderbar! Man will nur nicht wieder unter der Dusche weg! Außerdem sieht man eine der vielen Geothermie Kraftwerke Islands. Island bezieht seinen komplett grünen Strom nur aus Wind, Wasser und Geothermie-Energie, was wir natürlich super finden. Die Kraftwerke sind so sauber, da kommen sogar Regenbögen raus. Oh, wie muss es nur abgehen, wenn einmal einer dieser riesigen Vulkankrater explodiert, das Wasser verdampft und sich explosionsartig ausdehnt und Lava aus dem Berg geschossen kommt? Die Resultate sehen wir jetzt jedenfalls hier, fast ein wenig zu kitschig-romantisch am Myvatn See. Max ist mittlerweile heilfroh, dass wir den alles überdeckenden Schwefelgestank hinter uns gelassen haben. In dieser Region Islands sieht man niedliche, zum Teil rauchende Vulkan-Kraterchen, das blaue Wasser spickend, umgeben von sattgrünen Schafswiesen. Abends übernachten wir auf einem der Campingplätze, leider kann man aufgrund des Nationalparks nicht wild campen. Natürlich haben wir auch essenstechnisch an alles gedacht, aka. der Topf fehlt, was aber erstaunlich gut durch Nudeln in der Pfanne gelöst wird. Da bleibt allerdings nicht mehr viel Spielraum für was anderes als Pesto.

4.7.16 ASKJA:

Wir entscheiden uns, auf den Rat des lustigen Isländers Valdimar (er erschließt hier alle schweren Boulder) zu hören und vom Myvatn die Offroad Straße F910 nach Askja zu nehmen. Nach einigem hin und her schreibt er uns den Namen des potentiellen Bouldergebietes („Krepputunga“), das dort auf dem Weg liegt. Die Frage bleibt nur: Schaffen wir die Straße mit unserem schrottigen Auto und einer Tankfüllung? Immerhin gilt es auf der Strecke mehrere, zum Teil knietiefe Furten zu überqueren. Nun ja, top vorbereitet mit einem Bild der abfotografierten Karte auf dem Handy, mehrerer Rollen Klopapier und Nudeln mit Pesto, tuckern wir erstmal mit 90km/h auf der 1 los und biegen irgendwann auf die F-Road ab. Hier kommt schnell die erste kleine Furt, später dann noch größere. Hätte man uns davor bei der Touristen-Information nicht gesagt, dass wir mit unserem Auto die Furten überqueren könnten, hätten wir wahrscheinlich noch mehr Bammel, dass uns das Auto mitten im Nirgendwo verreckt. Immerhin hat der Luftfilter schon einmal bei bisschen Spritzwasser von der Sandbank in Vestrahorn Wasser angesaugt, worauf die Motorkontrollleuchte brannte. Und wie ist das dann, wenn wir jetzt durch einen knietiefen Fluss fahren? Anscheinend geht´s und wir kommen super voran, hinein in die karge Vulkanlandschaft des isländischen Hochlandes. „So Max, du hast die Karte, wo geht’s denn weiter?“ „Hoppala, Handyakku leer!“. Na super, die einzige vernünftige Karte… Mit vereinten Kräften und SD Karten Tausch kommen wir aber doch noch an die Karte ran und können weiter ins Hochland fahren.
Die riesigen Lavafelder bestehen aus einer Ansammlung kleiner schwarzer Türmchen und Wände, zum Teil an die 10m hoch. Zum Klettern stellen wir uns das an den geriffelten, geblockten und gestreiften Bouldern super vor und so wollen wir hier auch die Nacht verbringen um morgen Bouldern zu gehen und Erstbegehungen zu machen.
Doch nun geht es erstmal nach Askja, immer weiter auf der schlängelnden Straße durch die Lavatürme. Mit spektakulären Kulisse. Zum Teil mit Blitz und Donner (übrigens haben die Isländer zwar keine Angst vor Erdbeben, Eruptionen und Fluten aber vor Donner), eine halbe Stunde später wieder mit Sonne und Regenbogen. Nirgends auf der Welt schein es so viele und schöne Regenbögen zu geben wie auf Island. In Askja angekommen neigt sich die Tanknadel schon gefährlich unter die Hälfte und wir hoffen einfach mal, dass wir noch zurück zur letzten Tankstelle kommen. Zunächst fahren wir die Schotterpiste noch weiter bis zu einem riesigen, neuen Lavafeld, das während der gewaltigen Eruption des Vulkans 2014/15 über ein Jahr hinweg entstanden ist. Vielleicht kann man ja hier auch Bouldern? Unwahrscheinlich… Da es vorher geregnet hat und das Gestein vom Ausbruch immer noch warm ist, dampft das Feld in der Ferne wie ein Kochtopf. Zum Bouldern ist das hier nichts. Erstens ist das Feld noch nicht als sicher eingestuft und wir sollten hier vielleicht gar nicht rumlaufen und zweitens ist das Gestein so rasiermesserscharf, dass es uns schon beim drüber Laufen die Schuhsolen zerreibt. Tom ist sehr begeistert von der Lava und griffelt alles an und, zack, holt sich eine Cut.. Alles in allem irgendwie ziemlich menschenfeindlich und so fahren wir wieder zurück und hoch zum Askja Krater, einem riesigen See in einem Lavakegel, wo im 18. Jahrhundert eine gewaltige Eruption stattgefunden hat. Daneben gibt es einen kleinen, tiefblauen See, der laut einer Broschüre angenehme Badetemperatur hat. Und so laufen wir bei 5°C Außentemperatur mit Badehose und Handtuch im Gepäck los zum See. Komisch, es kommt uns niemand sonst mit Badehose entgegen, vielleicht sind wir ja doch falsch informiert? Die Überquerung eines Schneefeldes lässt eine große Badestimmung auch nicht aufkommen. Als wir über eine kleine Kuppe kommen, sehen wir zunächst nur den Hauptkrater Askja, doch daneben – yeah! – ist ein steiler Matschhang, der zu dem 22°-26° warmen, Schwefelblasen werfenden See führt. Wir schlittern die Matschpiste herunter und springen in das türkis-milchige und ziemlich unangenehm riechende Wasser. Egal, das muss jetzt sein. Abgefahren, dass hier vor 100 Jahren noch glühendes Gestein rausgeschossen ist und man jetzt aufgrund der Restwärme immer noch baden kann. Das Gebiet um Askja ist tatsächlich immer noch aktiv und der Vulkan könnte theoretisch jederzeit ausbrechen, was für den entsprechenden Nervenkitzel führt. Bei wenig Grad über dem Gefrierpunkt und mittlerweile Schneefall (Sommer, wirklich???) sind aber selbst 26° nicht wirklich warm und so ziehen wir uns nach ein bisschen Umhergeplansche schnell wieder an und laufen durch den Schneesturm zurück. Auf dem Rückweg mit dem Auto zum Bouldergebiet kommen wir in eine unwirkliche Szenerie von Starkregen, frisch gefallenem Schnee, Doppelregenbogen und glühendem Sonnenuntergang und schlagen dann zufrieden und glücklich unsere Zelte in mitten der Boulder auf.

5.7.16 BOULDERN IM LAVALFELD:

Die Boulder stellen sich als leicht, aber wunderschön heraus. Das bombenfeste Gestein bietet schöne Löcher und viele Möglichkeit für Boulder bis ~7b und so verbringen wir den ganzen Tag jede Linie zu bespringen, die cool aussieht und einen Boulder nach dem anderen hochzueiern. Der Regen ist zwar störend aber wir blödeln während des Regens einfach ein paar 3er mit Turnschuhen hinauf und geben ihnen bescheuerte Namen. Später reißt es auf und das Wetter wird nochmal wunderschön. Die schwarzen Boulder trocknen sofort und wir können noch ein bisschen richtig Bouldern. Die Highlights sind wohl Toms „Rainbow Warrior“, ein schöner 6c Bug mit Hooks und Fingerlöchern und Oles „Bergsteigerdynamo (aka. Penispropeller)“, ein tolles 7b Schild mit weiten, dynamischen Zügen. Dieses Gebiet ist definitiv empfehlenswert, wenn man leichte, schöne Boulder mit perfektem Landing erstbegehen möchte, allerdings eher ungeeignet für Hardmover im Bereich 7c aufwärts.

 

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