Kadertrip Island – Teil1: Bouldern in Vestrahorn

22.07.16 ANREISE:

Von Erlangen nach Frankfurt in Toms vollgestopftem Ford, von Frankfurt nach Reykjavik. Dort werden wir (Tom, Andrea, Max, Patrick und Ole) mit 3 Crashpads und Unmengen an Gepäck vom Autoverleih abgeholt. Unser gebuchtes Auto ist zugegebenermaßen viel zu klein für unser Zeugs und so nerven wir den Verkäufer so lange, bis wir ein größeres bekommen. PAM! Für 2000 Kronen (14€) extra am Tag bekommen wir einen ziemlich fetten Amischlitten, einen Dodge Durango mit riesen Kofferraum, 8 Sitzen und 4WD mit ordentlich Schub. Läuft! Dann fahren wir los nach Höfn zu den anderen (Lulu, Jens, Paul und Alex). Bestens vorbereiten mit den Informationen: Ringstraße nach Osten und vor dem Tunnel rechts. Unterwegs kommen wir an tollen Landschaften vorbei, Moose ziehen sich wunderschön über die Steine auf kilometerlänge – es gibt allein an der Ringstraße Unmengen an kleinen und großen Wasserfällen, später kommen wir dann an dem riesigen Inlandsgletscher Islands, dem drittgrößten der Welt, vorbei. Die Gletscherzungen schlängeln sich bis auf Meereshöhe hinab, in der Ice Lagoon sogar bis ins Meer wo riesige Eisberge im Wasser treiben, aneinander stoßen, rumkugeln und am schwarzen Lavasandstrand liegen. Vor dem Tunnel – Wahnsinn, das hat ja echt geklappt – fahren wir rechts ab und kommen zum Bouldergebiet „Vestrahorn“.

24.07.16 ISLAND, DAS LAND DER WIKINGER:

Das Bouldergebiet Vestrahorn bei Höfn ist ziemlich cool. Die Boulder liegen direkt am Meer, oben drüber die meist in Nebel gehüllten Bergspitzen des Vestrahorns. Das Gebiet bietet feine Boulderei an meist recht scharfen Griffen. Die vielen Blöcke im Bereich 5b bis 8a+ freuen sich über Wiederholungen und Erstbegehungen.

Und was macht Alex? Alex schlappt tagtäglich durch das Gebiet und schaut sich alle harten Linien an. „Ach, wenn ich morgens ne kleine Griffbrettsession mache und dann Abends noch ne 8a bouldere, dann ist das ja quasi ein Ruhetag.“ Und so rennt er – motiviert wie ein Kind beim Bauklötzespielen – durch das Gebiet, putzt die härtesten und höchsten Linien, und haut die harten Boulder in einer Geschwindigkeit weg, dass einem schwindelig wird. So kann er (und Max) einen der schwersten Boulder im Gebiet „Any Given Sunday“ 8a+ begehen, knüppelt ein paar 8a´s nieder, und schaut sich schwere Highballs an.
Max hat da eine ähnliche Einstellung. Für ihn sind prinzipiell alle Züge „piss“. Außer die, die er in irgendwelchen 8b+ Projekten versucht, wo uns seine Füße um die Ohren fliegen. Manchmal kommt es auch vor, dass Max sich nicht mehr vom Block runter traut und 15 Minuten oben verzweifelt rumrennt um nach einer Abklettermöglichkeit zu suchen, die leichter ist als 2-. Zur Entschädigung für das Pads herumschubsen, damit er eine tiptop Landezone bekommt, kocht er dann abends (Curry mit Nudeln, Curry mit Vollkornnudeln oder Curry mit Kartoffeln) und morgens (Toast mit Käse, Spagetti mit Mayonnaise oder Pfannkuchen). Anscheinend tragen seine Essgewohnheiten aber Früchte, auch er kann die schwersten Linien des Gebiets begehen und versucht sie um ein paar neue 8b´s zu ergänzen.
Tom ist da von anderem Kaliber. Er knüppelt prinzipiell auf jeden Griff ohne Tape drauf, egal wie scharf er ist. Daraus resultiert, dass seine Haut schon am ersten Tag aussieht als ob Islands Höhenprofil in jeden seiner Finger reingestanzt ist. Tom – der Meister der 7a´s – putzt und bouldert ein paar schöne „Hoch und Gefährlich“ Boulder wie „Probably Totalled“, „Keep on Rolling, Baby“ und „Hall of Pain“ (sehr lohnend!).
Patrick klettert prinzipiell gerne ohne Füße, was bei seinem enormen Brustumfang aber auch kein Problem zu sein scheint. Jens packt gerne seine überragenden Flashskillz aus, warten auf die richtige Beta und kann so einige echt schwere Sachen bis 7c+ flashen.
Wir alle erschließen viele schöne Boulder, zum Teil einige direkt am Meer, welche nur bei Ebbe und niedrigen Wellen machbar sind. „The Wave“ (7a), „The Dance of the Vikings“ (7b) und „Crazy Flipping Germans“ (7c) gehören wohl zu den schönsten.

Abends kommen wir, Paul, Lulu und Ole, ins Gespräch mit den Eigentümern des Campingplatzes. Was für Wikinger! Wir bekommen getrockneten Fisch (angeblich 99% Proteine, da darf man ja eigentlich nicht nein sagen) und frisch geschlachtetes Lamm mit fettiger Sauce angedreht, verfeinert mit viel „Viking“ Bier. Auch ein Verwandter des Inhaber, wir haben ihn kurzerhand „Iceland´s Strongman“ getauft ist mit dabei. Nein, nicht der Typ aus Game of Thrones aber gefühlt von ähnlichem Kaliber. Er kann zwar kein Englisch, gibt uns aber ziemlich deutlich zu verstehen, dass wir jetzt lieber ganz schnell ganz viel Bier und Vodka-Espresso – das schmeckt widerlich! – trinken sollten. Wir gehorchen. Armdrücken mit ihm endet damit, dass eine Hand von ihm gegen zwei Hände von Paul und Ole gewinnt. Auf Nachfrage, er solle doch mal seinen Bizeps zeigen reißt er sein Holzfällerhemd auf und Knöpfe schießen durch die Gegend. Irgendwann wird es recht ungemütlich, als Stühle durch den Raum fliegen und wir gehen mal lieber ins Bett. Später, als Ole nochmal kurz in den Waschraum geht, trefft er auf Eyþór, den netten Kletterer, der hier arbeitet und viel in Island erschließt. Er sammelt Glasscherben auf, die Scheibe der Tür liegt in Trümmern. Christian, der Strongman Wikinger, hat sich besoffen (nach ca. 7 Maß und 3 Espresso Vodka immerhin eine stolze Bilanz) eingesperrt, es nicht mehr gepeilt auf zu machen, und mit seinem Kopf die doppelt verglaste Scheibe in der Tür eingeschlagen. Mit seinem verdammten Kopf!!!

Trotz aller Meckereien über zu hohe oder zu niedrige Boulder, zu nass oder zu kalt, zu leicht oder zu schwer, zu frühes Aufstehen oder zu schnelles Fahren, ist Vestrahorn ein Gebiet, wo man viel Zeit verbringen kann und es tolle Boulder gibt. Der raue Gabbro (Tom: „das gleiche wie Basalt, nur auskristallisiert“) ist nicht gerade fingerschmeichelnd – der Fachmann spricht von „hautig“ – und das Wetter nicht so stabil wie in Spanien. Trotz allem konnten wir jeden Tag klettern. Der isländische Killerwind – wie beantragen schon einen Wörterbucheintrag für diesen Begriff – sorgt nämlich dafür, dass innerhalb weniger Stunden nach waagrechtem Regen die Blöcke wieder trocken sind.
Wir haben viele schöne Erstbegehungen gemacht, beispielsweise „Probably Totalled“ (7a Highball), „The Dance of the Vikings“ (7b) und „Crazy Flipping Germans“ (7c) und freuen uns über jede Wiederholung.

 

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