Bolt-Aktion in Flatanger

Offizielles Felskletter Team des Deutschen Alpenvereins (DAV)

Bolt-Aktion in Flatanger

Text: Milena Krämer

Anfang August machten auch wir, Alex, Jens, Max und ich uns auf den Weg in den hohen Norden. 2347 km Strecke zeigte das Navi an;  Ziel: Flatanger, ca. 200 km nördlich von Trondheim. Gefahren wurde schichtweise, Alex und ich im Wechsel.

Viel Gepäck im großen Auto

Viel Gepäck im großen Auto

 

Nach ca. 18 Stunden im Auto kam uns die Granitgrottan bei Göteborg als Zwischenstopp ganz gelegen. Obwohl unsere Fahrt zu viert im großen Auto mit Dachbox noch recht komfortabel war, war es doch sehr angenehm sich mal wieder die Beine zu vertreten, sich ein bisschen zu bewegen und ein bisschen zu klettern. Trotz starkem Regen und nassem Topout konnte Alex, quasi auf der Fahrt, noch einen 8a+ Durchstieg mitnehmen. Genächtigt wurde dann direkt am Wandfuß, da uns das als der einzig trockene Platz erschien und dann ging‘s auch schon weiter Richtung Flatanger.

 

 

Blick auf den Camping und Fjord in Flatanger

Blick auf den Camping und Fjord in Flatanger

Dort angekommen, wurden wir noch nachts um halb 2 von der Campingplatzbesitzerin Berit empfangen. Auch der Rest unserer Mannschaft, also Vera, Johannes und Tom, die mittlerweile schon ein paar Tage hier waren, waren noch wach. Nach einem großen „Hallo“, dem ersten warmen Essen seit Tagen und einem ausführlichen Austausch der Neuigkeiten ging´s dann auch schleunigst ins Zelt, um am nächsten Tag die Gegend zu erkunden. Zuerst ging´s in das, von der Campingwiese gut sichtbare Blockfeld. Viele neue Linien gab es hier leider nicht. Sicher waren wir nicht die Ersten, die auf die Idee kamen hier zu suchen, aber ein paar gute Boulder wurden dann doch gefunden und von den meisten recht zügig wiederholt. Auf dem Rückweg aus dem Blockfeld wurde plötzlich der Blick auf eine orange-schwarze Wand frei, die vom Camping und vom Blockfeld abgewandt war. Alex und Johannes war sofort klar: „Die Wand muss eingebort werden!“. So wurden keine Mühen gescheut. Die Jungs machten sich direkt am nächsten Tag mit Bohrequipment und Statikseil ausgerüstet auf den Weg zum Gipfel des Berges. Kaum waren die Umlenker gesetzt und das Seil an seinem Platz ging es auch direkt los. Johannes versenkte die Bolts in der linken Wandhälfte, wo eine schwarzmelierte Linie den orangen Fels hochführt.

 

 

Johannes in seinem FA "Spaltentango"

Johannes in seinem FA „Konzentrationskomiker“

Mittig der Wand ist eine Tradlinie, die Alex sofort als Projekt anlachte. Also wurde auch hier ein Umlenker gesetzt. Da die Jungs meinten es gäbe noch Potential für gute Touren und mich ihre Begeisterung sofort überzeugte war ich am nächsten Tag mit am Start. Und tatsächlich; kaum unter der Wand angekommen war mir klar wo es hochgehen sollte. Durch den rechten, leicht überhängenden Wandteil führt eine, wie sich herausstellte relativ anhaltende Linie über ein kleines Dächlein zum Umlenker. Also wurde auch hier mit voller Motivation bis in die endgültige Dunkelheit geboltet, was mit der späten Dämmerung Mitte August in Flatanger schon einmal ca. 2 Uhr nachts werden kann. Der Rückweg vom Fels wurde natürlich schon aus Prinzip trotzdem oft erst mit Stirnlampe angetreten.

 

Polarlichter in Flatanger

Polarlichter in Flatanger

Putzen musste man die Touren glücklicherweise wenig, sodass direkt am nächsten Tag versucht werden konnte. Einmal durch gebouldert und hier und da noch ein wenig Sand aus den Griffen geputzt und schon konnte ich die Züge vom Ersten bis zum Letzten genießen und den Umlenker klippen. Auch Johannes und Alex konnten ihre Projekte sehr zügig klettern, sodass Flatanger jetzt um einen zwar kleinen aber sehr feinen Fels reicher ist.

 

Milena in ihrem FA "No sleeping at night"

Milena in ihrem FA „No sleeping at night“

Infos zum Fels:

Zustieg: 20-25 Minuten

Die Campingwiese links in Richtung des großen Blockfelds verlassen, kurz durch das Wäldchen und über ein kleines Bächlein und dann rechts des großen Blockfelds den Bergrücken ca. 15 Minuten entlang laufen bis sich ein kleines Hochtal bildet und auf der linken Seite eine Art Geröll-Schlucht zu sehen ist. Hier Richtung Schlucht durch das Blockfeld laufen bis sich linkerhand am Anfang der Schlucht die Wand befindet. Die Touren beginnen auf einem Plateau, was über einen 5er/6er erreicht werden kann. Abgeseilt werden kann auf dem Rückweg dann direkt.

Ausrichtung : Ost, Süd-Ost

Höhe: 15-20 m, plus 15 m auf das Plateau.

Die Touren von links nach rechts:

Projekt; Konzentrationskomiker 7c+; Alex Trad-Tour 7b+ (trad); No sleeping at night 7c

 

 

Außerdem sind Alex, Tom und ich nachdem wir von Elliott einem Ami der viel Zeit in Flatanger verbracht hat und schon einiges zu Fuß abgelaufen ist, den  Tipp bekommen, dass hinter der großen Hanshallaren-cave eine Wand mit „fu***** fantastic features“ ist. Eigentlich war der Plan noch einmal an unsere frisch eingeborte Wand zu gehen, als wir uns auf halben Weg spontan entschieden „nur kurz“ nach der empfohlenen Wand zu suchen. Wie es natürlich meistens so ist wurde aus dem „nur kurz“ eine 2 stündige Wanderung und Besichtigung. Der Umweg war es aber voll und ganz Wert, den auch wir konnten Elliott´s: „that wall just needs to be bolted!“ nur zustimmen. Also machten wir uns direkt am nächsten Tag, bepackt mit 100 m-Dynamik- und 50 m-Statikseil, sowie weiteren 30 kg Bohrequipment, auf, die Tour einzubolten.  Der Umlenker wurde gesetzt und die Tour von Tom gerade nach unten geboltet. Ich hörte nur gelegentlich ein „WOA…geil!!“ oder „boa leck… meeeega!!“ und hin und wieder die Bohrmaschine rattern und das Hämmern beim setzten der Bolts.

„Fantastic features“ ist wohl noch untertrieben, für die Griffe und Strukturen die diese 40-Meterwand hinauf führen. Daher also kein Wunder, dass Tom am nächsten Tag kaum still sitzen konnte bis es wieder an die Wand ging. Die letzten Bolts wurden gesetzt und dann direkt eingestiegen, putzen musste man hier nicht, jedoch sehen die Strukturen im Onsight völlig ohne Chalk und Ticks alle gleich aus. Tom konnte sich dann am Abend mit „Fuck you early bird“ auch sein wohlverdientes Geburtstagsgeschenk im zweiten Versuch abholen.

Tom in seinem FA "Geburtstagsgeschenk"

Tom in seinem FA „Fuck you early bird“

Die runden, slopigen Rissstrukturen pumpten jeden von uns deutlich früher als erwartet, aber in so fantastischem Fels will man einfach nicht loslassen. Fazit: auch hier ist eine unbedingt lohnende Neutour hinzugekommen.

 

 

Infos zum Fels:

Zustieg: ca.45 Minuten

Wie zu Hanshallaren, dort den Weg der die Höhle am rechten Rand verlässt ca. 15 Minuten lang über den Bergrücken folgen, dann leicht linkshaltend einer kleinen bewaldeten Schlucht folgen bis diese senkrecht auf eine größere Schlucht trifft. Hier kann man an deren rechten Wand die Tour sehen. Nach rechts das Blockfeld durch die Schlucht Richtung Meer hinunter laufen bis rechterhand der Wandfuß kommt.

Ausrichtung: Nord, Nord-Ost

Höhe: 40 m !

Die Touren von links nach rechts:

Tradtour, Fuck you early bird 7b+

 

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