Gelbe Mauer – Drei Zinnen

Von Zeit zu Zeit überkommt mich die Lust ein paar schöne Routen im Alpinen zu klettern. So war auch letzte Woche etwas Abwechslung vom Sportklettern angesagt . Ein Ziel war schnell gefunden: Die drei Zinnen in den Dolomiten.

Besonders eine Route war uns, Alvaro Forero und mir,  ins Auge gesprungen: Die „Gelbe Mauer (Perlen vor die Säue)“ (7b) von Kurt Albert und Stefan Glowacz 1996 eingerichtet. 9 Seillängen anhaltende athletische Ausdauerkletterei im oberen 8. Grad und eine 9- Schlüsselseillänge in einer 250 m hohen überhängenden Felswand mit bestem Fels mit einem ausladenden Dach kurz vor Ende versprachen einen spannenden Tag.

Als wir nach einer durchgefahrenen Nacht in den Dolomiten ankamen, der erste keine Rückschlag – die Passstraße zu der Auronzo Hütte war auf Grund der frühen Saison noch gesperrt. Bedeutete für uns, dass wir mit dem Gepäck für zwei Tage 2.5 Stunden aufsteigen mussten und unter der Südwand der kleinen Zinne biwakierten. Um sich etwas an das Gestein an den drei Zinnen zu gewöhnen kletterten wir eine etwas leichtere Route mit 9 Seillängen am ersten Tag.

Am nächsten Tag kletterten wir (nicht ganz freiwillig 😉 ) zwei Seillängen im 8. Grad einer anderen Tour zum Aufwärmen um dann in die „Gelbe Mauer“ einzusteigen.  Die erste Seillänge stellte sich mit abschüssigen Griffen und wenig Tritten als äußerst undankbar heraus. Darauf folgten zwei homogenere Seillängen und dann die 50m lange Schlüssellänge mit einer trickreichen Stelle über ein Dach. Hatte man diese Stelle geschafft musste man aufpassen, dass man nicht gepumpt aus der Wand fliegt. Dass die Wand eindrucksvoll überhängt war beim Klettern nicht direkt merkbar, aber umso mehr an den gepumpten Unterarmen in den ohnehin langen Seillängen. Da für den Nachmittag Gewitter vorhergesagt waren und sich in unserem Rücken die Wolkenfront immer näher kam, waren wir nicht ganz sicher, ob wir schnell genug sein würden, um alle Längen zu klettern. Andererseits waren wir fest entschlossen es auf jeden Fall zu versuchen. Und tatsächlich ging die Rechnung auf – die Wolken zogen an uns herunter und hüllten uns ein, aber bis auf ein paar Regentropfen blieben wir verschont. Die nächsten 4 Längen führten uns über weitere Dächer und Wandkletterei zum finalen Dach in der letzten Länge. Dort wartete dann ein 3 m ausladendes Dach – nicht wirklich schwer, aber mit mehr als 200 m Luft unter einem wird es plötzlich doch spannend, wenn man an der Dachkante die Füße kommen lassen muss. Geschafft!

Anschließend seilten wir über die Route wieder ab, wobei wir stetig die Exen wieder zurück klippen mussten. War uns beim Klettern vielleicht nicht ganz bewusst, wie weit diese vermeintlich senkrechte Südwand der kleinen Zinne eigentlich überhängt, wurde es uns spätestens jetzt bewusst. Nach 11 Seillängen klettern, 11 Seillängen abseilen folgten dann noch 1.5 Stunden Abstieg zum Auto.

An den verbliebenen zwei Tagen kletterten wir dann noch etwas leichtere Routen in der Umgebung von Cortina – am Croda da Lago und am Hexenstein, sodass wir trotz unbeständiger Wettervorhersage auf 34 Seillängen kamen. Ein ausgefülltes Wochenende.

 

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